„Jüdische Ereignisse“

Veranstaltungen mit jüdischem Charakter in der Region Oldenburg.

Diese Ereignisse fallen nicht in die Zuständigkeit der jüdischen Gemeinde.

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„Auch Leben ist ein Kunst – Der Fall Max Emden“
Ein Film von Eva Geberding und André Schäfer
Deutschland 2018 – 90 min – deutsche Fassung
Ab 25.04.2019 im Casablanca in Oldenburg. Anfang: 17:30 h.


„In den 1920er Jahren machte der jüdische Geschäftsmann Max Emden mit Kaufhäusern wie dem KaDeWe oder dem Oberpollinger ein Vermögen und gehörte zu den bedeutendsten Mäzenen Hamburgs. Am Lago Maggiore führte er ein glamouröses Leben mit schnellen Booten und schönen Frauen, doch der lange Arm der Nazis erreichte ihn auch dort – Emden verlor alles. Bis heute kämpfen seine Erben vergeblich für eine angemessene Entschädigung.“


Den Namen Max Emden kennt heute fast niemand mehr – seine Kaufhäuser jedoch schon: das KaDeWe in Berlin, den Operpollinger in München, das Allas-Warenhaus in Stockholm oder Corvin Ahuraz in Budapest.
Der 1874 in Hamburg geborene Spross einer angesehenen jüdischen Handelsfamilie, war aber mehr als ein Kaufhauskönig. Er war Mäzen der Universität Hamburg, stiftete seiner Heimatstadt den ersten Golfclub und einen Poloclub – und baute eine einzigartige Kunstsammlung auf. 1928 verlegte Emden aufgrund des aufkeimenden Antisemitismus seinen Wohnsitz in die Schweiz, erwarb die malerischen Brissago-Inseln im Lago Maggiore und stattete dort eine Villa mit seiner atemberaubenden Kunstsammlung von Malern wie Van Gogh, Canaletto oder Monet aus. Emden beherrschte die Lebenskunst wie kein Zweiter – stets braun gebrannt auf seinen Motoryachten und mit leicht bekleideten jungen Frauen an seiner Seite, die für Skandale im prüden Tessin sorgten. Doch die Nationalsozialisten beschlagnahmten nach und nach Emdens Vermögen; seine Kunst musste er zum großen Teil verkaufen – seine zahlreichen Immobilien in ganz Europa wurden enteignet – und so starb er 1940 am Lago Maggiore.
Knapp 80 Jahre später begibt sich der Film zusammen mit Juan Carlos Emden, dem Enkel Max Emdens, auf die Spuren seines Großvaters, um herauszufinden, was mit der berühmten Kunstsammlung und dem Immobilienbesitz wirklich geschah.
Weder hat die Bundesregierung eines der Kunstwerke aus der Sammlung Emden an seine Erben zurückgegeben, noch hat sich der Hamburger Senat bis heute um eine Wiedergutmachung oder Entschädigung der Familie Emden bemüht.
Der Film rollt den Fall Max Emden detailliert und mit Hilfe brisanter Dokumente, nie gezeigter privater Filmaufnahmen und vielen historischen Zeugnissen auf und erzählt nebenbei den Aufstieg und die Zerstörung einer hanseatischen Familie durch die Propaganda und die Gewalt des NS-Regimes.

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Mittwoch, 15. Mai 2019
19:30h
Gemeindehaus, Leo Trepp Straße 15
Vortrag von Frau Rosenbohm-Plate mit dem Titel: Der Verkauf von Juden-Möbeln der M-Aktion 1942-1944 im Gau Weser-Ems. (Diese Möbel werden auch Holland-Möbel genannt.)

Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg e.V.

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Sonntag, 28. Juli 2019
18:00 h, Kirche St. Marien, Deichstraße 120,
27804 Berne-Warfleth

Asasello-Quartett
Konzert in drei Teilen – Warfleth exklusiv
„Neunzig Jahre Günter Berger“
Urauffürungen der Streichquartette 3, 4, 5 und des Charakterzyklus „Sieben Temperamente“
Der in Dötlingen (Landkreis Oldenburg) ansässige Jubilar, fast zwanzig Jahre Professor für Orgel und Improvisation an der HfKMBremen, hat seit Mitte der Neunziger über zwanzig internationale und nationale Kompositionspreise errungen, zuletzt 2018 beim renommierten „Klangfarben“-Wettbewerb Berlin. Er ist Träger der Landschaftsmedaille der Oldenburgischen Landschaft. Etliche seiner Werke werden von namhaften Verlagen wie Bärenreiter und Schott publiziert.
Sein Werk „Das große Klagelied“, eine Vertonung des Poems „Das Lied vom ausgemordeten jüdischen Volk“ von Jizach Katzenelson, und das den Opfern von Auschwitz gewidmete „Crucifixion“ wurden in zahlreichen Orten Deutschlands, Polens und in Israel (Tel Aviv und Jerusalem) aufgeführt. Berger wurde geboren am 25. Juli 1929. Die ausgewählten Werke sind (wie so viele aus seinem Oeuvre) vorher noch nie zu Gehör gebracht worden. Die Musiker haben die Uraufführungen exklusiv für das Geburtstagskonzert einstudiert.
Die aus Russland (Rostislav Kozhevnikov), der Schweiz (Barbara Kuster), Polen (Justyna Sliwa) und Finnland (Teemu Myöhänen) stammenden Musiker des Asasello-Quartetts haben sich in wenigen Jahren ein vielfältiges Repertoire erarbeitet und durch ihre packende Unmittelbarkeit einen hervorragenden Ruf erspielt. Der Erste Preis beim Migros-Kultur-Wettbewerb bildete den Auftakt zu einer internationalen Konzerttätigkeit. Es folgten Tourneen nach Ungarn, Russland, in die Niederlande und nach England, erfolgreiche Auftritte bei der Musik-Triennale Köln und in der Wigmore Hall London sowie die Teilnahme an Workshops, z.B. der Lucerne Festival Academy oder dem Atelier des Heidelberger Frühlings. Neben dem Studium erhielt das Quartett wichtige Impulse von Christophe Desjardins und Chaim Taub. Große Anerkennung wurde dem Quartett für sein von der Kunststiftung NRW und der Kulturstiftung Pro Helvetia unterstütztes Projekt „4 Paysages – 4 Landschaften“ zuteil, das die Musiker auf eine dreiwöchige Sibirien-Reise führte.
Das Quartett setzte sich als Preisträger beim Internationalen Kammermusikwettbewerb in Hamburg (ICMC) gegen 18 Streichquartette aus der ganzen Welt durch. Der Verband der Deutschen Konzertdirektionen zeichnete das Quartett mit seinem Musikpreis aus. Die CD-Einspielungen mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Fanny Hensel sowie mit Franz Schuberts Streichquartett d-moll D 810 „Der Tod und das Mädchen“ und Alfred Schnittkes Streichquartett Nr. 3 erhielten höchstes Lob der Fachpresse. 2016 spielten die Asasellos Schönbergs Streichquartette im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks für das renommuierte Label Genuin ein. Die CD wurde mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik geehrt. Aus der Begründung: „Die Quartette klingen trotz analytischem Durchdringen dominant spielerisch und immer dem Hörer zugewandt.“

 

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Eine Nachricht von Reinhard Rakow (Berne):

Was für ein Beiheft! Gäbe es einen Sonderpreis für Erhellung und Offenbarung, er ware ihm sicher.  Die Künstlerin selbst hat es verfasst. Sie entwickelt stringent ihr Konzept, legt die historischen Verbindungslinien der von ihr ausgewählten Stücke offen, und sie überrascht, wo andere Trivialitäten trampeln, durch Haltung und Gehalt. „Es braucht Mut, diese Musik nah an sich heranzulassen“, lesen wir, und Sätze wie diese: „Als Spieler wirst du zu einem Kraftwerk von Gefühlen. Aggressivität ist da, auch Wut, Spuren einer Grenzerfahrung. Du hast nichts mehr zu verlieren.“

Und was für ein Auftritt! Schon die ersten Töne verschlagen einem den Atem: warm, aber ohne falsche Glut, ins Mark treffend fokussiert, aber ohne falschen Druck. Stilistisch treffsicher, artikulationsgenau und kraftvoll, mit ausdauernder musikantischer Intelligenz entfaltet sich Spannung so bezwingend, dass man als Zuhörer ob dieses Übermaßes an musikalischer Intution, Umsetzungsmacht und Farbenfindungsfantasie abwechselnd demütig werden will oder ungläubig: Die junge Geigerin Liv Migdal präsentiert mit ihrer im Mai erscheinenden neuen CD „Refuge“ (Genuin, GEN19656), einer Soloeinspielung, „Atemstillstandsmomente“, Musik an den Grenzen des Spiel-, Fass- und Aushaltbaren von Bach, Bartók und Ben-Haim.

Migdal, Tochter des 2015 verstorbenen Pianovirtuosen und -professors Marian Migdal, eines aus Polen emigrierten Juden, gilt mit ihrer unpräsentiösen Könnerschaft und Konsequenz Insidern schon lange als vollkommener Gegenentwurf zu den Glitzerperlen ihres Metiers. Eine derartige Deckung von Geradlinigkeit und Gestaltungswillen wie bei Migdal ist die große Ausnahme. Die Gewinnerin zahlreicher internationaler Preise (etwa des Paul Roczek Music-Award, des Ruggiero Ricci Wettbewerbs und des Hindemith Wettbewerbs) hat 2017 im Rahmen des ECCE-Programms  des Landes Nordrhein-Westfalen das Projekt „Verfemten Komponisten eine Stimme geben“ initiiert. Wer jemals einen ihrer erschütternd intimen Auftritte — etwa am 11.11.2018 im Rahmen der Warflether Matinee zum Gedenken an 80 Jahre Novemberpogrome und an ihren verstorbenen Vater — miterlebt hat, weiß um ihre hundertprozentige Identifikation mit jeder einzelnen Note, die sie zum Leben erweckt. Ihm begegnet die CD viel weniger als zwar erstklassige Aufnahme wichtiger Werke der Literatur für Solovioline denn als höchstpersönliches, mit Herzblut getränktes Entäußerungs-Testat einer großen Geigerin. Niemand sonst als Liv Migdal hätte diese CD erfinden, keiner sie so einspielen können. Authentizität wird hier erlebbar, greift an.

Yehudi Menuhin — die Geigerin lernte ihn kennen, als sie noch ein kleines Kind war, die Sechzehntelgeige unter dem Arm — heißt der eine rote Faden, der die drei Solosonaten der CD verbindet, Refugium der andere, und das jeweils in mehrfachem Sinne: Menuhin, als Jude wie seine Zeitgenossen Bartok und Ben-Haim durch die Katastrophe des Nationalsozialismus selbst existenziell verunsichert, figurierte als Bach-Interpret, als Inspirator, Auftraggeber und Widmungsträger. Eines greift ins andere: Als Menuhin Bach spielte, hörte Bartók zu. Als Menuhin dem mittellos in den USA Gestrandeten mit einer Auftragserteilung unter die Arme griff, komponierte der, Bartók, seine eigene, höchstpersönliche Bach-Sonate. Die wurde sofort zu Menuhins Lieblingsstück, und als er sie in Israel im Konzert aufführte, war wiederum Ben-Haim unter den Zuhörern; das war die Geburtsstunde von dessen Solosonate.

„Refuge“: Zum Refugium, Zufluchts- und Rettungsort, wurde ein fremdes Land — Palästina für den aus Nazi-Deutschland flüchtenden Paul Frankenburger, später als Ben-Haim der bedeutendste Komponist Israels, Amerika für den vor Hitler flüchtenden, schon damals leukämiekranken Ungarn Béla Bartók. Und erst recht die Musik als Mittel, der eigenen Verzweiflung Ausdruck zu verleihen, der Seelennot ein Antidot zu injizieren, Hoffnung vielleicht, Trost dem Schmerz. Auf welche Weise auch Bach, ohne den nichts wäre, nach dem Tod seiner geliebten Frau zu diesem Mittel griff, demonstriert Migdal anhand der C-Dur-Sonate mit großem Sog;  die vermeintliche Kühle, mit der die gewaltige Fuge strukturiert ist, tobt bei ihr in sich, implodiert über alle x-fach-Griffe hinweg in atemgleiche Leichtigkeit und bestürzende Klarheit. Klarheit, freilich ganz anderen, fast schon sezierenden Zuschnitts, prägt auch Paul Ben-Haims unerhörte G-Dur-Sonate, eine Musik, die in Migdals Herz und Hirn fesselndem Narrativ das morgenfahle Licht der Wüste ebenso eindringlich und effektiv zelebriert wie den Tod bringenden Brand der Sonne und das ganze Leben dazwischen. 

Den Höhepunkt dieser herausragenden CD aber markiert Migdals Interpretation von Béla Bartóks Sonate für Solovioline (Sz117), seinem letzten vollendetem Werk, geschrieben im Angesicht des als nah bewussten Todes. Vielleicht meint der eine oder andere, diese Sonate zu kennen, aus einer der im Betrieb so seltenen Konzerte vielleicht oder aus dem Radio oder sonst einer Aufnahme. All das, Mullovas gut gemeintes Mühen inklusive, darf man nun getrost vergessen, und das nicht nur, weil Migdal die als unspielbar geltende mikrotonale Orginalversion mit ihren halsbrecherischen Vierteltönen meistert. Wo andere die Krankeit, die zum Tode neigt, als zahmes Kuscheltierchen missverstehen, konfrontiert sie uns mit der Bestie, die Bartok in ihren Fängen hielt: Die Gewalttätigkeit ihrer Fuga dürfte für emfängliche Naturen bisweilen nicht auszuhalten sein. Neben ihren brutalen Peitschenschlägen und den Schreien, die folgen, mutieren etwa Mullovas Töne zu gelacktem Dekor. Und danach, im direkten Anschluss, diese unbedingte, diese „völlige Gelassenheit“ der Melodia, ein sprachlos machendes Sich-Auflösen im heilignüchternen Wasser der Tränen, die dem Todkranken schon lange ausgegangen sind.

Es ziemte sich, ins Knie zu sinken.

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