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Jüdisches Leben in der DDR – Zwischen Sehnsucht und Enttäuschung 02. Juni bis 28. Juni 2026

Die Gründung eines „neuen Deutschland“ nach dem erst vier Jahre zuvor besiegten „Nazi-Deutschland“ war nicht nur für Kommunisten
und sogenannte „Antifaschisten“ ein Sehnsuchtsort. Auch einige Jüdinnen und Juden, die die Shoah überlebt hatten – im Exil, in den
Lagern, in Camps für Displaced Persons – hatten große Hoffnung, am Aufbau eines Landes beteiligt zu werden, dessen Sprache und
Kultur nicht fremd war und dessen politische Ausrichtung all das ablehnte, was den deutschen Faschismus genährt hatte.
Nach Jahren unfassbarer, menschenverachtender Grausamkeiten, Verfolgungen und industriellen Mordens sollte Gleichheit unter den
dort lebenden Bürgerinnen und Bürgern die neue Realität werden. Schon früh wurden diese Hoffnungen enttäuscht: Zwar ermög
lichten es die sowjetischen Besatzungsbehörden zwischen 1945 und 1949 vielen jüdischen Intellektuellen an die Universitäten und
Akademien zu gehen oder sich in politischen oder kulturellen Ämtern zu betätigen, und jüdische Gemeinden wuchsen in der Folge
bis 1948 rasch. Doch wirkte der unterschwellig noch existierende Antisemitismus in der Gesellschaft fort und verhinderte die offene
Auseinandersetzung mit dem Leid der jüdischen Bevölkerung durch die Shoah. Antisemitische Ereignisse wie der Slánský-Prozess Ende 1952 in Prag hatten weitreichende Folgen und prägten das jüdische Leben in der DDR bis zum Mauerfall 1989.
In Veranstaltungen verschiedener Formate wie Vorträgen, Diskussionen, Lesungen, Konzerten, Filmen und Workshops ermöglichen
die Veranstaltenden, die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg K.d.ö.R. und das Kulturbüro der Stadt Oldenburg, eine vertiefte Betrach
tung des jüdischen Lebens in der DDR. Fragen danach, ob und wie sich das Jüdische Leben in der DDR vom Jüdischen Leben in der BRD unterschieden hat, motivieren das Vorhaben. Und möglicherweise lassen sich aus den Antworten Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft unserer Gesellschaft ableiten.

Ausstellung 26. Mai – 22. Juni
Aufarbeitung. Die DDR in der Erinnerungskultur

Geöffnet Montag bis Samstag von 9 bis 19 Uhr

Kulturzentrum PFL, rechter Gebäudeflügel, Obergeschoss
Peterstraße 3, 26121 Oldenburg

Dienstag, 2. Juni 2026 I 19 Uhr


Eröffnung der Veranstaltungsreihe
Jüdisches Leben in der DDR
Zwischen Sehnsucht und Enttäuschung

Dr. Annette Leo
„Beargwöhnt und herausgehoben: Jüdinnen und Juden in der DDR“

Kulturzentrum PFL, Veranstaltungssaal
Peterstraße 3, 26121 Oldenburg
Einlass ab 18:30 Uhr

Sonntag, 7. Juni 2026 I 11 Uhr

Anne Frank und die DDR. Politische Deutungen und persönliche Leseart des berühmten Tagebuchs

Lesung mit Autorin Dr. Sylke Kirschnick

Kulturzentrum PFL, Veranstaltungssaal
Peterstraße 3, 26121 Oldenburg

Dienstag, 9.Juni 2026 I 19 Uhr

Die jüdische Nachkriegsgeschichte in der DDR.
Einblick in das Gemeindeleben und in die SED-Politik
gegenüber Juden und Judentum

Vortrag von Dr. Ulrike Offenberg, Historikerin, Übersetzerin, Rabbinerin der liberalen jüdischen Gemeinde Hameln

Forum St. Peter
Peterstraße 22-26, 26121 Oldenburg

Donnerstag, 11.Juni 2026 I 19 Uhr

Blinde Flecken oder geteilte Räume?
Ein Podiumsgespräch über DDR-Erfahrungen mit
Identität und Religion, Geschichte und Verantwortung

Mit Prof. Ines Geipel, Schriftstellerin und Publizistin, Ricklef Münnich, ehemaliger Geschäftsführer der
„Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen“ und Dr. Alexander Walther, wissenschaftlicher Mitarbeiter Tacheles
2026 – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen
Moderation Prof. Dr. Andrea Strübind,
Carl von Ossietky Universität Oldenburg

Forum St. Peter
Peterstraße 22-26, 26121 Oldenburg

Sonntag, 14 Juni 2026 I 17 Uhr

Filmvorführungen und Diskussion
organisiert von hakOLnoa

Schalom neues Deutschland – Juden in der DDR (2018)
Tom Franke, Matz Chaet, Lutz Rentner | DE | 45 Minuten
Chronik einer Rückkehr. Lebenswege Deutscher Juden
in der DDR (1993)

Martin Pátek | US/DE/CZ | 58 Minuten

CineK, Bahnhofstraße 11, 26122 Oldenburg

Montag, 15 Juni 2026 I 19 Uhr

Jung und jüdisch in der DDR

Lesung und Vortrag mit Dr. Sandra Anusiewicz-Baer
und Lara Dämmig

Musikschule der Stadt Oldenburg
Baumgartenstraße 12, 26122 Oldenburg

Donnerstag, 18 Juni 2026 I 18:30 Uhr

Filmvorführungen und Diskussion
organisiert von hakOLnoa

„Die Bilder des Zeugen Schattmann“
Teil 1 – Der Freitagabend (1972) | Kurt Jung-Alsen | DDR | 78 Minuten

Als Referentin ist die Literatur- und
Kulturwissenschaftlerin Dr. Lisa Schoß zu Gast, die zur Darstellung
jüdischer Erfahrung im Film der DDR promoviert hat.

CineK, Bahnhofstraße 11, 26122 Oldenburg

Dienstag, 23. Juni 2026 I 17 Uhr

Die DDR-Erinnerungskultur in der Gegenwart
am Beispiel der künstlerischen Arbeit
„gedenken unserer durch die Tat!“

Vortrag von Leon Kahane, Bildender Künstler und Gastprofessor
an der Universität der Künste Berlin

Carl von Ossietzky Universität, Seminarraum V03 0-D003
im Gebäude V3, Lifelong Learning Campus,
Ammerländer Heerstraße 136, 26129 Oldenburg

Sonntag, 28. Juni 2026 I 18 Uhr

Abschlussveranstaltung und Konzert mit der Band Kačka

Wilhelm13
Leo-Trepp-Straße 13, 26121 Oldenburg
Einlass ab 17.30 Uh



Rückblick Jüdische Kulturwochen 21.08. – 04.09.2022

Anlässlich Ihrer Wiedergründung nach der Shoa vor 30 Jahren feiert die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg dieses Jubiläum mit „Jüdischen Kulturwochen“ vom 21.08. – 04.09.2022. Danke für die vielen Glückwünsche, intensiven Momente und wunderbaren Kulturtage mit Kooperationspartnern, Unterstützern, Gemeindemitgliedern, Gästen und OldenburgerInnen.

Ein Bericht anlässlich des Jubiläum vom NDR 29.08.2022

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Juedische-Gemeinde-zu-Oldenburg-feiert-30-jaehriges-Bestehen,aktuelloldenburg10384.html


13. September 2022 – 17. Elul 5782
Vor 30 Jahren wurde die Jüdische Gemeinde gegründet – ein Festakt zum Jubiläum
von Tim Schomacker 01.09.2022

Die Musik beim 30-jährigen Jubiläum der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg sagte am vergangenen Sonntag einiges über das jung gebliebene Selbstverständnis aus: Nicht ein Musikstück des Festprogramms war älter als aus dem 20. Jahrhundert – bei Feierlichkeiten wie diesen ist das nicht unbedingt die Regel.

Und noch etwas anderes fiel auf, das möglicherweise auf ebenjenes Selbstbild schließen lässt: Nicht überregionale Prominenz wurde für die Festrede verpflichtet, sondern der junge Assistenzrabbiner Netanel Olhoeft aus den eigenen Reihen. In einem klugen wie unterhaltsamen Vortrag erinnerte Olhoeft an die Bedeutung der Zeit und des Prozesshaften für die Praxis der Gemeinde sowie an die Funktion der Torarolle als integratives Zentrum eines vielstimmigen und vielfältigen Gemeindelebens.

Mit 30 befinde man sich im Lebensabschnitt der Kraft und Stärke.

GEGENWART Dass schließlich die neue Torarolle, die im Rahmen des Festakts feierlich in das helle Lehr-, Gemeinde- und Gebetshaus im Oldenburger Stadtzentrum eingebracht wurde, ihren Weg nach Norddeutschland um ein Haar nicht rechtzeitig gefunden hätte, zeigt wiederum auf das hohe Maß an Gegenwart, mit dem jüdische Gemeinden konfrontiert sind: Bereits vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine sei die neue Torarolle in Auftrag gegeben worden, berichtet die Vorsitzende der Gemeinde, Elisabeth Schlesinger. Man sei sich nicht sicher gewesen, ob es mit der Lieferung tatsächlich würde klappen können.

Ukraine Schließlich hat die radikale Änderung der geopolitischen Umstände seit Februar 2022 nicht nur den Transport dieser Rolle zu einer abenteuerlichen Unternehmung gemacht. Seit März 2022 betreut die Jüdische Gemeinde in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Oldenburg etwa 60 jüdische und nichtjüdische Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine, zumeist Frauen mit ihren Kindern.

STADTGESELLSCHAFT 30 Jahre, darauf wies Rabbinerin Alina Treiger in ihrem Grußwort hin, seien angesichts von 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland keine große Zeitspanne – in den Biografien einzelner Menschen aber viel mehr als bloß ein kurzer Lebensabschnitt. Die Gemeinde danke »für das uns entgegengebrachte Vertrauen«, formulierte Schlesinger in ihrer Begrüßung gewissermaßen den Kern der Entwicklung der Gemeinde, die sich auch an der breit gefächert in die Oldenburger Stadtgesellschaft hineinreichende Zahl der Jubiläumsgäste ablesen ließ. »So viele Freunde hier zu haben«, sagte Treiger, »ist Zeichen der Anerkennung und der Wertschätzung.« Die Gegenseitigkeit und Gemeinschaftlichkeit sei in den nun gefeierten 30 Jahren seit der Wiedergründung gewachsen. Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) betonte dann auch den Beitrag der Jüdischen Gemeinde, Oldenburg »als vitales Element der Stadtgesellschaft« kontinuierlich als »Willkommensstadt« zu gestalten.

ZUHAUSE »In unserer Gemeinde sind viele, die durch Flucht und Vertreibung nach Oldenburg gekommen sind«, sagte Rabbinerin Treiger. Die Gemeinde verstehe sich als »neues Zuhause«. Das bedeute für die Gemeinde, mit viel Empathie und Aufmerksamkeit zu schauen, wo und wie Hilfe und Unterstützung anzubieten seien. »Wir haben gelernt«, sagte Treiger, »dass jeder seinen Platz in der Gemeinde braucht.« Was wiederum mit jenem Selbstverständnis zu tun hat, das die Jüdische Gemeinde in den vergangenen 30 Jahren offenbar auch getragen hat, in dem sie sich hat entwickeln können. Mit 30 befinde man sich im Lebensabschnitt der Kraft und Stärke, sagte Treiger, die die Gemeinde seit 2011 als erste in Deutschland ordinierte Rabbinerin betreut.

Dass die Gemeinde von (Neu)Beginn an auf ausgeprägte Laienarbeit, auf die gleichberechtigten Gestaltungsmöglichkeiten von Männern und Frauen in den Gottesdiensten setzte, auch dass sie das Wachsen der Gemeinde – den Zuzug sogenannter Kontingentflüchtlinge Anfang der 1990er-Jahre wie aktuell aus der Ukraine – dezidiert»als Chance versteht«, ermöglicht einen selbstbewussten Umgang mit verschiedenen rabbinischen Ausrichtungen innerhalb des Teams.

TORAROLLE Zu diesem gehören neben Treiger auch Festredner Netanel Olhoeft und die vor Kurzem aus Odessa nach Oldenburg gekommene Rabbinerin Julia Gris. Die liberale Rabbinerin begleitete den Baldachin mit der neuen Torarolle mit besonders viel Herz in der Stimme durch die kleinen Straßen hinter dem Kulturzentrum PFL, in dem der Festakt stattfand, einem ehemaligen Hospital, zu dessen früheren Nebengebäuden auch jenes Haus gehört, in dem Gemeinde und Synagoge heute untergebracht sind. Getragen wurde die Torarolle von einer Vielzahl verschiedener, oft auch junger Gemeindemitglieder.

Im Gebetsraum setzte der Sofer die letzten 26 Buchstaben auf das Pergament. Und ehrte so zugleich 26 Menschen mit sehr verschiedenen Lebenswegen und Talenten, Funktionen und Fähigkeiten, die für das Gemeindeleben in den vergangenen 30 Jahren wichtig waren. Hier wurde gewissermaßen direkt vor Augen geführt, was Rabbiner Olhoeft in seiner Festrede über die permanente Vergegenwärtigung der Tora gesagt hatte.

Dass in jedem Tempel auch ein Abbild der zerstörten Tempel stecke, die Synagoge also zugleich als Ort und als Zeichen zu verstehen sei. Und dass ein Wiederaufbau auch ein Prozess sei, der Zeit in Anspruch nehme. So schöpfte Olhoeft Hoffnung, Zuversicht und auch Freude aus einer Geschichte des Rabbi Akiba, der zufolge gerade dann, wenn katastrophale Prophezeiungen sich bewahrheiten, der Glaube an das Eintreffen hoffnungsvoller Prophezeiungen gestärkt würde.

GENERATIONEN Der Präsident des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, überbrachte ein Geschenk von 1000 Euro für die Jugendarbeit der Gemeinde, und Mark Dainow würdigte für den Zentralrat der Juden die Beharrlichkeit der Gründergeneration der (Wieder-)Gründerinnen und -gründer. So bildete der Festtag auch präzise wie beispielhaft ab, in welchen gesellschaftlichen Gemengelagen die Arbeit einer jüdischen Gemeinde heute stattfindet. Als nicht allein religiöse, sondern auch als gesellschaftliche Einrichtung. Und als kulturelle.

Michael Fürst überbrachte ein Geschenk für die Jugendarbeit.

Das musikalische Highlight war ein von der Kantorin und Sopranistin vorgetragener Ausschnitt aus einem Liederzyklus nach Texten von Hilde Domin. Komponiert von Sarah Nemtsov, die nicht nur zu den Stars der gegenwärtigen Neue-Musik-Szene gehört, sondern deren Jugend sowohl religiös wie auch musikalisch eng mit der Gemeinde verbunden ist.

Nemtsov war fast ein Teenager, als die Gemeinde, unter anderem von ihrer Mutter, der Malerin Elisabeth Naomi Reuter, gegründet wurde. Heute steht die Musikerin mitten im Leben – wie auch die Gemeinde selbst.

EIn Artikel der Jüdischen Allgemeinen, 01.09.22 von Tim Schomacker


Mit freundlicher Unterstützung durch den Zentralrat der Juden in Deutschland


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