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Elke Heger erhält den Albrecht Weinberg-Preis 2026

    Anlässlich des 100. Geburtstags von Albrecht Weinberg wurde 2025 der Albrecht-Weinberg-Preis von der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg erstmals ins Leben gerufen und an seinen Namensgeber verliehen. In Würdigung des Wirkens von Albrecht Weinberg, einem unermüdlichen Mahner, Zeitzeugen und Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft, verleihen die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg und weitere Akteur:innen den Albrecht-Weinberg-Preis für besonderes soziales Engagement und Verdienste um die Gemeinschaft in diesem Jahr an Elke Heger. Er trägt das Vermächtnis Albrecht Weinbergs weiter – seinen Geist der Aufklärung, der Erinnerung und der Menschlichkeit. Der mit 2000,- Euro dotierte Preis wurde am 22. Februar 2026 durch Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland überreicht und wurde durch die persönliche Anwesenheit von Albrecht Weinberg in besonderer Weise geehrt.


    Prof. Dr. Claire Schaub-Moore, 1. Vorsitzende Jüdische Gemeinde zu Oldenburg
    Elke Heger erhält den Albrecht-Weinberg Preis 2026
    Abraham Lehrer, Vizepräsident Zentralrat der Juden in Deutschland
    Marina Jalowaja, Vizepräsidentin Landesverband der Juden in Niedersachsen
    Ministerpräsident Olaf Lies

    Hallo Niedersachsen berichtet: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/zeremonie-in-oldenburg-feierliche-amtseinfuehrung-neuer-rabbiner,rabbiner-116.html

    Pressestimmen
    EPD 14.01.2026
    https://www.kirche-oldenburg.de/aktuelles/detail/oldenburgerin-elke-heger-erhaelt-den-albrecht-weinberg-preis

    22.02.2026-Klappkarten

    Biografie Elke Heger ist im Januar 1944 in Zwickau in Sachsen geboren, wohin ihre Mutter wegen des drohenden Bombenkrieges über Berlin evakuiert worden war, und in Berlin aufgewachsen. Nach dem Abitur 1963 begann sie zunächst ein Studium an der Freien Universität Berlin, studierte dann an der Kirchlichen Hochschule in Berlin 5 Semester Theologie. Sie lernte Helmut Gollwitzer und andere Professoren der Bekennenden Kirche aus der NS-Zeit kennen. Nach einem Praktikum in einer diakonischen Großeinrichtung, entdeckte Elke Heger die Behindertenpädagogik, die ihr gesamtes Berufsleben prägen sollte. 1966 machte sie eine Ausbildung zu Heilpädagogin in Zürich in der Schweiz, wo sie sich auch mit der sog. Euthanasie-Politik der Nationalsozialisten, der systematischen Tötung insbesondere von behinderten Menschen auseinandergesetzt hat. Weil ihre Mutter damals krank wurde und starb, kehrte sie nach Berlin zurück und arbeitete 4 Jahre lang in zwei Heimen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung.

    1971 erfolgte ihr Umzug nach Oldenburg, wo sie mit der Leitung einer neu gegründeten diakonischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen betraut wurde, die noch weiterzuentwickeln war. Parallel dazu absolvierte Elke Heger ein Studium als Diplom-Pädagogin. Sie baute ein Zentrum für Körperbehinderte in multidisziplinärer Konzeption auf, das in seinen Grundzügen noch heute so besteht für diejenigen, die von der Integration (später Inklusion) auf Grund der Schwere ihrer Behinderung nicht berücksichtigt werden können. Darüber hinaus hat Elke Heger eine überregionale kirchlich-diakonische Vernetzung und Kooperation aufgebaut. Dies war in den 1970-er Jahren Pionierarbeit, in einer Phase von Aufbruchstimmung.

    Gemeinsam mit ihrem Mann, Erwin Heger, fühlte sie sich dem Judentum sehr verbunden. So haben sie sich bereits dann um den alten jüdischen Friedhof an der Dedestrasse gekümmert, in denen er verwaist war und es keine Jüdische Gemeinde in Oldenburg gab. Bis heute liegt Elke Heger dieser Friedhof sehr am Herzen und sie macht dort regelmäßig Führungen. Ab 1978 setzte sie sich intensiv mit der Shoah auseinander, trat in die 1962 gegründete Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Oldenburg ein. 1979 machte sie ihre erste Israelreise und begegnete Menschen, die tiefe und bleibende Eindrücke bei ihr hinterlassen haben. Mit großer innerer Teilnahme verfolgte sie die Nahost-Politik, die in diesen Jahren Hoffnung auf Frieden aufkommen ließ.

    Organisiert durch die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit kamen auf Einladung der Stadt Oldenburg im Jahr 1985 etwa 70 (über-)lebende Oldenburger Juden zu einem mehrtägigen Besuch in ihre ehemalige Heimatstadt. Im November 1995 machte sie erneut eine Israel-Reise und erlebte hautnahe die Trauer um den ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin. In diesen Jahren hat Elke Heger die in den 1980-ger Jahren entstandenen Freundschaften und Kontakte zu den Shoah-Überlebenden unter den Oldenburger Juden in aller Welt weiter gepflegt, auch zum Vorkriegs-Rabbiner Leo Trepp. Sie baute gleichzeitig auch gute Kontakte zur neu gegründeten Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg und ihrer langjährigen Vorsitzenden Sara-Ruth Schumann auf. Die GcjZ entfaltete unter ihrem Vorsitz eine rege Vereinstätigkeit mit Vortragsveranstaltungen auswärtiger Referenten für Verein und Öffentlichkeit, mit Ausstellungen, Gesprächskreisen, Führungen auf dem alten Jüdischen Friedhof, Vernetzungen in der Stadt Oldenburg mit vielen Institutionen, Aktionskreisen; Führungen von Schülergruppen, Begegnungen mit der Jüdischen Gemeinde bei Festen und Feiern, Engagement im Vorbereitungskreis des Leo Trepp Lehrhauses.

    Bis heute engagiert sich Elke Heger über allen Maßen für jüdisches Leben in Oldenburg, Niedersachsen und Deutschland. In ihren vielen Netzwerken und Aktionskreisen setzt sie sich klug, stets höflich zurückhaltend aber hartnäckig für antisemitismuskritische Bildung und Aufklärung ein und erinnert mit ihren persönlichen aber auch jahrzehntelangen beruflichen Erfahrungen an die Notwendigkeit, sich mit den negativen Folgen von Marginalisierung, Ausgrenzung, Hass und gesellschaftlichen Spaltungen auseinanderzusetzen.